Business Angels

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. hat in seiner Studie „Deutscher Startup Monitor 2021“ die drei größten Herausforderungen von Startups identifiziert: Kapitalbeschaffung, Liquidität und Kundengewinnung. Die ersten beiden Punkte haben beide mit Geld zutun und der letzte Punkt unter anderem mit Branchenzugang und Netzwerk. Um diese Probleme zu lösen, können Business Angel als strategische Förder und Kapitalgeber für die Startups von großem Interesse sein. Doch warum ist die Beziehung zwischen Startup und Business Angel so wertvoll und auch wertstiftend.

Was genau ist ein Business Angel und was zeichnet ihn aus?
Der Business Angel ist ein Kapitalgeber, der Entrepreneure in der Frühphase ihrer Unternehmung unterstützt. Diese benötigen zunächst einmal finanzielle Unterstützung, um ihr skalierbares und innovatives Geschäftsmodell voranzutreiben. Häufig suchen sie aber auch das sogenannte “Smart Money”, also zusätzlich den Zugang zu Wissen und Erfahrung, Netzwerk und Kontakten sowie Beratung, Coaching und Sparrings zuzüglich zu dem finanziellen Mehrwert, den ein Kapitalgeber leisten kann. Das alles bietet ein Business Angel. Mit den Grundvoraussetzungen Leidenschaft, Vorhandensein von überschüssigem Geld und solider Erfahrungen – sei es im Unternehmersein, im Management oder auf einem bestimmten Gebiet, in dem sich das Startup bewegt – bringt er mit Offenheit und der Affinität sein Wissen weiterzugeben Startups voran. Und dabei hat er selbst noch die Möglichkeit direkten Einfluss auf das eigene Investment auszuüben. Entrepreneure sehen in Business Angels oftmals sogar Mentoren, Antreiber und Ratgeber, wodurch sie zu einem wichtigen Bestandteil des erweiterten Teams des Startups werden. Business Angels zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie mit ihrer Investition in ein junges Unternehmen etwas bewegen möchten. In den meisten Fällen haben sie einen direkten Bezug zur Geschäftsidee, sind entsprechend an dieser interessiert und sehen das Potenzial dahinter. Außerdem entwickeln sie eine enge Beziehung zu den Gründerteams und nehmen eine wichtige Rolle für sie ein, und zwar als „die ersten, die an sie geglaubt haben“. Mit ihrem Geld helfen sie den Entrepreneuren, ihre Visionen und Konzepte weiterzuentwickeln und umzusetzen. Durch die finanzielle Anschubhilfe erhalten die Gründerteams in einer der wichtigsten Lebensphasen eines neugegründeten Unternehmens den nötigen Aufwind. Business Angels nehmen die Startups in den frühen Phasen also unter den Schutz ihrer Flügel, indem sie die Gründer finanziell (1. Flügel) und durch immaterielle Vorteile (2. Flügel) unterstützen. Für viele Startups ist die frühzeitige Hilfe von Business Angels und das damit verbundene Vertrauen essentiell, da traditionelle Geldgeber (z.B. Banken) oder institutionelle Investoren die Finanzierung von Startup-Ideen in den Frühphasen ohne entsprechende Sicherheiten eher ungern übernehmen. Das Risiko wird bisweilen einfach als zu hoch eingeschätzt. Für die Übernahme eines großen Teils des Risikos in dieser Phase erhalten die Business Angels wiederum Anteile am Unternehmen und die Aussicht auf eine attraktive Rendite.

Wie und wann kommen Business Angels und Startups zusammen?
Die meistens Startups durchlaufen dieselben Früh-Phasen: Beginnend mit der Orientierungsphase (Pre-Seed-Phase), geht es anschließend in die Phase der konkreten Planung (Seed-Phase) und schließlich in die Gründungsphase (Startup-Phase). Die meisten Business Angels steigen in der Regel zwischen Seed- und Startup-Phase ein, auch wenn wir aktuell eine klare Trendbewegung hinsichtlich Investitionen, die bereits innerhalb der Pre-Seed-Phase stattfinden, beobachten können. Business Angels investieren durchschnittlich zwischen EUR 20k und EUR 250k. Sollte mehr Geld benötigt werden, z.B. für eine aggressivere Wachstumsstrategie, können sich mehrere Business Angels zusammentun. Graham & Scales® bietet hierfür unseren Angels-Haven an. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier.

Häufig unterstützen Business Angels die Startups, in die sie investiert haben, auch bei anfallenden Aufgaben und Arbeiten, für die sie kein direktes Honorar erhalten. Durch die Anteile, die die Business Angels für ihre Investitionen an den jungen Unternehmen halten sowie die in Aussicht gestellte Rendite sind die Kapitalgeber motiviert, bei bestimmten Themen mit anzupacken. Der genaue Prozentsatz an Anteilen, den ein Business Angel erhält, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Höhe des Investments ist ein offensichtlicher Faktor, aber auch die immateriellen Vorteile sowie das Verhandlungsgeschick des jeweiligen Gründerteams determinieren die Anteilshöhe.

Das oberste Ziel eines investierten Business Angel sollte es sein, das Gründungsteam mit der eigenen Expertise zu unterstützen, um das junge Unternehmen schnellstmöglich voranzubringen. In diesem Kontext bedeutet das: Schnelle Gründung, Prototypen entwickeln, Intellectual Property sichern, Markteintritt ermöglichen, skalieren und ein schnelles Erreichen der Gewinnzone. Auch, wenn die meisten Business Angels für die Startups in dieser frühen Phase sicherlich wie wahre „Engel“ wirken, sind Business Angels nicht aus wohltätigen Überzeugungen Förderer dieser Startups. Ziel ist es, das eigene Geld zu vermehren und zum richtigen Zeitpunkt mit einem attraktiven Exit auszusteigen. Im Durchschnitt hält ein Business Angel seine Anteile drei bis siebe Jahre. Innerhalb dieser Zeitspanne zeigt sich, ob ein Startup am Markt scheitert (Worst Case) oder sich am Markt etablieren kann und durch kontinuierliches Wachstum für weitere Investoren attraktiv wird (Best Case).

Wodurch unterscheiden sich Business Angels von Venture Capital Unternehmen?
Der Begriff Venture Capital (VC) bedeutet übersetzt Beteiligungs- oder Risikokapital. Die Unternehmen, die Risikokapital in großen Summen in Startups investieren sind die sogenannten VCs. Hinter ihnen stecken wiederum andere Unternehmen oder Gesellschaften, die ihr Geld in aussichtsreiche Startups investieren wollen, aber nicht Teil „des täglichen Managements“ ihrer Investitionen sein möchten. Die Investitionen befinden sich oft im ein- bis zweistelligen Millionen Bereich (EUR). Die Finanzierungen großer VC-Fonds liegen teilweise im Bereich von über EUR 100 Mio. Genau wie die Business Angels erhalten auch Venture Capital-Investoren für ihre Beteiligung an und Investition in junge Unternehmen Anteile, u.a. damit sie bei wichtigen strategischen Entscheidungen mitreden können. Häufig investieren VCs allerdings erst ab der Startup-Phase und fokussieren sich v.a. auf die nachgelagerten Phasen, wie die Aufbau-, Wachstums- und Reifephasen. Für ihre hohen Investitionen erhalten VCs auch höhere Anteile an den Startups. Für das Geschäftsmodell der VCs ist die schnelle Rendite bzw. die Renditeaussicht äußerst wichtig, da sie meist nach wenigen Jahren aus dem Startup aussteigen (Exit).

Business Angel in Deutschland
Nach Angaben des BAND (Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.) gibt es in Deutschland aktuell mehr als 8.000 aktive Business Angels. Diese Business Angels investieren jährlich mehr als EUR 650 Mio. in junge Startups. Lea-Sophie Cramer ist ein prominentes Beispiel für einen Business Angel in Deutschland. Sie hat sich als Gründerin von Amorelie einen Namen in der Szene gemacht. Bis Ende 2019 leitete sie das Unternehmen – heute sitzt sie noch im Beirat. Seit dem vergangenen Jahr ist Cramer auch Teil des Beirats für Junge Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums. Als Business Angel hat sie sich über ihre Gesellschaft Starstrike Ventures für das Drogerie-Startup Discandooo und die Shopping-Suchmaschine Iprice engagiert. Auch über ihre private Beteiligungsgesellschaft Pink Capital investiert sie Geld in junge Unternehmen. Dort im Portfolio befinden sich u.a. das Nachhilfe-Startup Cleverly und die Secondhand-Plattform Catchys.

Staatliche Förderungen von Business Angel Aktivitäten
Business Angels erhalten die Möglichkeit, ihre Investitionen in Eigenkapital-Beteiligungen an förderfähigen Unternehmen ab EUR 10k vom Staat mit 20 % durch den INVEST-Zuschuss fördern zu lassen. Investoren werden für die Finanzierung zum Aufbau innovativer Jungunternehmen entsprechend unterstützt und können dadurch das Risiko ihrer Investition mindern. Bei Verkauf des Startups hat der Investor im Rahmen des INVEST-Förderprogramms die Möglichkeit einen Exit-Zuschuss in Höhe von 25 % des Gewinns in Form einer Steuererstattung zu erhalten.

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